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Humboldt-Universität zu Berlin - Philosophie der Antike und Gegenwart

Forschungsprojekte

Lehrstuhl für Philosophie der Antike und Gegenwart






SFB 644 "Transformationen der Antike"
  • Teilprojekt A1: Transformationen der antiken Logos-Philosophie in Ethik und Metaethik der Gegenwart
    • Projektleiter: Prof. Dr. Christof Rapp

    • Wissenschaftliche Mitarbeiter: Philipp Brüllmann, Klaus Corcilius, Naomi Kubota


    • Unterprojekt 1: Wiederentdeckung und Umformung der antiken Logos-Ethik in der Gegenwart (Philipp Brüllmann, Klaus Corcilius)

    Das erste Unterprojekt untersucht die mannigfaltigen Rückgriffe auf die Antike, mithilfe derer ethische Positionen der Gegenwart insbesondere gegen deontologische und konsequentialistische Ansätze formuliert werden sollen. In der angelsächsischen virtue ethics wurde der antike Tugendbegriff, insbesondere seine »agent-centeredness«, gegen den Begriff der Pflicht stark gemacht. Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit diese Konzeption tatsächlich wie das antike Vorbild auf den normativen Begriff des vernunftbestimmten Lebens gründet oder inwieweit alternative Begründungsstrategien verfolgt werden. Der Kommunitarismus unterstellt den antiken Ethiken die Annahme einer relativ stabilen Wertegemeinschaft, die allein das Individuum befähige, adäquate ethische Vorstellungen entwickeln zu können. Die um den Begriff der »Lebenskunst« und des »human flourishing« zentrierten Aktualisierungsversuche wiederum operieren mit der antiken Grundannahme, dass der Zweck der philosophisch-ethischen Reflexion nicht in der Entdeckung unentrinnbarer Pflichten entstehe sondern vielmehr damit zu tun habe, dass wir mithilfe philosophischer Überlegung die Möglichkeit, ein gutes, lebenswertes Leben zu erreichen, wesentlich verbessern. Neben einer Bestandsaufnahme der tatsächlichen Anknüpfungen an antike ethische Vorstellungen sollen die Möglichkeiten und Grenzen der Reaktualisierung derselben einer normativen Begutachtung unterzogen werden.
    • Unterprojekt 2: Das antike Ideal des rationalen Agenten in der modernen Handlungstheorie
      (Naomi Kubota)

    Das zweite Unterprojekt widmet sich der Frage, welchen Einfluss die Erklärungsmodelle antiker Philosophie bzw. antiker Philosopheme auf die Handlungstheorie der Gegenwart (seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts) genommen haben. Da hierzu so gut wie keine Vorarbeiten vorliegen, kommt es zunächst darauf an, eine entsprechende Systematik zu erstellen, die es erlaubt, die verschiedenen Theoriefelder zu identifizieren, in denen es zu solchen Einflüssen gekommen ist. Herausgehobene Stellungen werden dabei die Problemfelder ›akratische Handlungen‹ und der ›praktische Syllogismus‹ einnehmen, in deren moderner Diskussion der Einfluss antiker Erklärungsmodelle besonders deutlich zutage tritt. Danach sollen der theoretische Kontext und die sonstigen relevanten philosophischen Voraussetzungen der modernen Handlungstheoretiker, die sich antiker Erklärungsmodelle bedient haben, erfasst werden, um so die Frage nach einer Vergleichbarkeit beider philosophischer Kontexte beantworten zu können. Im Kern wird es dabei um die Vergleichbarkeit der Auffassungen von praktischer Rationalität in der Moderne und der Antike und die Frage gehen, inwieweit man sich gleichzeitig mit der Übernahme eines antiken Philosophems auch zur Übernahme eines entsprechenden Rationalitätsbegriffs verpflichtet.


Thyssen Drittmittelprojekt "Aristoteles' Metaphysik: Prinzipienforschung und Substanztheorie"
  • Projektleiter: Prof. Dr. Christof Rapp

  • Weitere Projektleiter: Klaus Corcilius

  • Wissenschaftliche Mitarbeiter: Klaus Corcilius, Katharina Fischer


Das Projekt untersucht die philosophischen Grundlagen der Aristotelischen Metaphysik; im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach dem inneren Zusammenhang zwischen den verschiedenen Einzelbüchern dieser Schrift. Die Arbeitsthese ist, dass Aristoteles in den verschiedenen Teilen der Metaphysik das Ziel verfolgt, sich auf unterschiedliche Weisen den obersten Prinzipien anzunähern, und dass dieses Unternehmen der Prinzipienforschung den roten Faden für die gesamte Schrift, auch für die Substanztheorie, bildet. Dies hat erhebliche Konsequenzen für den viel diskutierten Begriff der Substanz und ermöglicht eine neue Bewertung der traditionell aufgeworfenen Frage nach der thematischen Einheit der Metaphysik. - Der Ertrag dieses Forschungsprojekts soll u.a. in einer Monographie mit dem Arbeitstitel "Aristoteles' Metaphysik: Prinzipienforschung und Substanztheorie, welche eine zusammenhängende Interpretation der gesamten Schrift Metaphysik unter besonderer Berücksichtigung der Substanzfrage und der Prinzipienforschung entfaltete, dokumentiert werden. Weitere Schwerpunkte des Forschungsprojektes sind eine umfassende Einleitung des Werkes, die Kommentierung ganzer Buchgruppen und die Koordination und texkritische Kontrolle aller fünf Teilbände der genannten Ausgabe.

Excellence Cluster 264 „TOPOI. Space and Knowledge in Ancient Civilizations”
  • Projektleiter: Prof. Dr. Friederike Fless (Freie Universität Berlin), Prof. Dr. Christof Rapp (Humboldt Universität zu Berlin)


The Cluster of Excellence pursues the goal of researching the interdependence of space and knowledge in the civilizations of the Ancient Near East, the Mediterranean, and Black Sea region and parts of the Eurasian steppe from the 6th millennium BC to around AD 500. This is to serve the more fundamental purpose of investigating the spaces, spatial systems, and various types of space-related knowledge as intertwined factors in the development of ancient cultural systems. The cluster is interested in space and spaces precisely insofar as they are shaped, designed or defined by human competence; insofar as they are controlled and maintained by knowledge and technique; insofar as they are represented and mediated by language, images, or texts and, finally, insofar as they are the subject matter of sciences and theories. Vice versa, the cluster is interested in knowledge precisely insofar as it is space-related in one sense or the other – be it that it is the kind of knowledge in virtue of which we shape or control spaces, be it the kind of knowledge we have of space. In TOPOI paradigmatic studies are to investigate the foundations of small-scale structures up to large-scale expansive empires and variously defined and constituted spaces as well. Building on this fundamental research, TOPOI will work out a theory of space as a constitutive element in the formation and transformation of cultures and societies of antiquity within an interdisciplinary framework.