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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Philosophie

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Nachruf Prof. Dr. Wessel (1936-2019)

 

Das Institut für Philosophie trauert um den langjährigen Inhaber der Professur für Logik, Horst Wessel. Geboren 1936 in Wuppertal, wurde Wessel im Krieg ins thüringische Bad Langensalza evakuiert. Nach dem Abitur studierte er seit 1954 Philosophie an der Humboldt-Universität, der er zeitlebens verbunden blieb. Nach der Promotion war er Oberassistent, dann Dozent und seit 1976 Professor für Logik an der Sektion marxistisch-leninistische Philosophie. Ab 1993 bekleidete er bis zu seiner Emeritierung 2001 die Logikprofessur am Institut für Philosophie. Prägend wurde ein Aufenthalt beim bedeutenden russischen Logiker und Dissidenten Alexander Sinowjew in Moskau, dessen Werke er erstmals ins Deutsche übersetzte. Wessel verschrieb sich fortan dem Kampf gegen irrationalistische Tendenzen in Logik und Philosophie. Seine wichtigsten Arbeiten betreffen die nichttraditionelle Prädikationstheorie, die Terminitheorie und die Analyse der logischen Folgebeziehung.

Wessel war ein ungewöhnlicher akademischer Lehrer mit robusten Umgangsformen und nie versiegendem Humor. Die Voraussetzungen für das Bestehen des Logikkurses pflegte er den Studierenden bündig zu erklären: »Sie dürfen dumm sein, sie dürfen auch faul sein. Aber nicht beides«. Wurde er philosophisch herausgefordert, zog er sich gern auf die Auskunft zurück: »Ich bin kein Philosoph, ich bin Logiker«. Die dunklen Flecken in der Schublade von Hegels Schreibtisch, der seit den 90er Jahren am Institut für Philosophie steht, identifizierte er zielsicher als Rotweinflecken. Er regte an, die Reste zu destillieren und daraus Hegels Wein nachzuproduzieren: »Nach sechs Flaschen schreibe ich Hegels Logik neu. Und sie wird besser«. Am 4. April ist Horst Wessel in Berlin gestorben.