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Humboldt-Universität zu Berlin - Philosophische Anthropologie

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Philosophie | Philosophische Anthropologie | Lehre | Kommentiertes Verzeichnis der Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2016

Kommentiertes Verzeichnis der Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2016

 

 

CO Philosophisches Kolloquium / Philosophical Colloquium

Geert Keil

Veranstaltungsnummer 51 075

UL 6, 3103; ab Do., 21.04.2016, wöch. 10-13 Uhr

 

Das Kolloquium wendet sich an Masterstudierende und Doktoranden. Es bietet ein Forum zur Diskussion im Entstehen begriffener eigener Arbeiten und zur gemeinsamen Lektüre aktueller Forschungslite­ratur. Es wird mehrere thematische Schwerpunkte geben, die in der ersten Sitzung gemeinsam festgelegt werden. Wer teilnehmen möchte, melde sich bitte bei kerstin.helf@hu-berlin.de an.

 

 

PS Zeit und Zeiterfahrung / Time and Experience of Time

Geert Keil

Veranstaltungsnummer 51 024

DOR 24, 1.406; ab Mi., 20.04.2016, wöch. 10-12 Uhr

 

Die Philosophie der Zeit beschäftigt sich zunächst mit der metaphysischen Frage, was Zeit ist. Diese Frage ist in der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte unterschiedlich beantwortet worden. Im Seminar sollen wichtige Stationen behandelt werden, zu denen Aristoteles, Augustinus, Kant, Newton, Leibniz, Einstein und McTaggart gehören. Die menschliche Erfahrung der Zeit ist eine der Vergänglichkeit. Was jetzt gegenwärtig ist, lag gestern in der Zukunft und liegt morgen in der Vergangenheit. Allerdings folgen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht in der Weise aufeinander wie Januar, Februar und März es tun, denn was als „gegenwärtig“ zählt, ist stets nur relativ zur Position eines Erfahrungssubjekts gegenwärtig. Wenn aber einige Zeitbestimmungen irreduzibel perspektivenabhängig sind und andere nicht, wie können sie dann von demselben Phänomen handeln? Ist Zeit überhaupt ein einheitliches Phänomen? Mit der menschlichen Zeiterfahrung zusammenhängende Fragen werden in der Phänomenologie, Existenzphilosophie, Erkenntnistheorie, Anthropologie und Psychologie behandelt. Dazu gehören die Empfindung des mehr oder weniger schnellen Verfließens der Zeit, die Synthese aufeinanderfolgender Eindrücke zu ein und demselben Erfahrungsgegenstand, das Phänomen der inneren Uhr, die Erinnerung und nicht zuletzt die Erfahrung der eigenen Vergänglichkeit: Wir sind Wesen, die sich ihrer begrenzten Lebenszeit bewusst sind und sich in ein Verhältnis dazu setzen können. Eine Herausforderung des Seminars wird darin bestehen, seine beiden Teile – die Metaphysik der Zeit und die Phänomenologie der Zeiterfahrung – auf fruchtbare Weise aufeinander zu beziehen. Das Seminar wird leseintensiv sein und viele englischsprachige Texte einschließen. Literatur wird über Moodle bereitgestellt.

 

 

HS Tiefe Meinungsverschiedenheiten / Deep Disagreements

Geert Keil / Christoph Schamberger

Veranstaltungsnummer 51 058

DOR 24, 1.406; ab Di., 19.04.2016, wöch. 12-14 Uhr

 

Uneinigkeit durchzieht unsere gesamte Lebenswelt und auch die Philosophie. Über kaum eine These erziel(t)en Philosophen Einvernehmen. Das könnte man für merkwürdig halten, weil wir philosophische Positionen ja nicht aus politischen, ökonomischen oder privaten Interessen vertreten, sondern weil wir sie mit Gründen für wahr halten. Wenn eine Frage überhaupt wahrheitsfähig ist, kann es zwar mehrere einander widersprechende Meinungen geben, aber sie können nicht alle richtig sein – so sollte man meinen. Von tiefen Meinungsverschiedenheiten können wir sprechen, wenn epistemisch ebenbürtige Personen, also solche mit gleichem Informationsstand und gleichen intellektuellen Fähigkeiten, die die Argumente des anderen kennen und verstehen, zu entgegengesetzten Urteilen kommen. Wie sollte man sich in einer solchen Lage vernünftigerweise verhalten? Spricht etwas dafür, dass eher der andere als man selbst einen Fehler gemacht hat? Ist die angemessene Haltung vielleicht der Agnostizismus? Von diesen Fragen handelt die jüngere erkenntnistheoretische Debatte über „peer disagreement“. In der Debatte über „faultless disagreement“ wird dagegen die Frage untersucht, ob überhaupt eine der beiden Streitparteien einen Fehler gemacht haben muss. Könnte es nicht auch irrtumsfreie Meinungs­verschiedenheiten über wahrheitsfähige Fragen geben? Müssten wir dafür unsere Wahrheits- oder unsere Rationalitätstheorie ändern? Das Seminar soll uns einen Überblick über die jüngeren philosophischen Debatten zu Meinungsverschiedenheiten verschaffen. Die Teilnahme setzt die Bereitschaft voraus, ein hohes Lesepensum vorwiegend englischsprachiger Literatur zu absolvieren und einen Text im Seminar vorzustellen.

 

Literatur:

 

David Christensen and Jennifer Lackey (Eds.), The Epistemology of Disagreement, Oxford: OUP 2013.

Richard Feldman and Ted A. Warfield (Eds.), Disagreement, Oxford: OUP 2010.

Erkenntnis 79, 1 Suppl. (2014), Special Issue “Disagreements”, ed. by Daniel Cohnitz and Teresa Marques.

Bryan Frances, Disagreement, Oxford: Wiley 2014.

Jonathan Matheson, The Epistemic Significance of Disagreement, London: Palgrave Macmillan 2015.

 

 

PS Sadness, Grief, Depression, and Melancholia

Sanja Dembić

Veranstaltungsnummer 51 100

UL 6, 1070; ab Mo., 18.04.2016, wöch. 10-12 Uhr

 

Was unterscheidet normale Traurigkeit und Trauer von Depression? In welchem Sinne ist Depression nicht „normal“? Und wie verhält sich Depression zu Melancholie? Anhand der Phänomene Traurigkeit, Trauer, Depression und Melancholie werden in diesem Seminar allgemeine Theorien zum Begriff der psychischen Störung (und zwar aus der jüngeren analytischen Philosophie der Psychiatrie) diskutiert. Im ersten Teil des Seminars besprechen wir einige zentrale Texte zum Störungsbegriff. Dabei werden wir vorwiegend über die Begriffe der Funktion und der Rationalität sprechen. Im zweiten Teil des Seminars versuchen wir, mit Hilfe der erarbeiteten Theorien die genannten Phänomene begrifflich voneinander abzugrenzen. Dabei lesen wir auch einschlägige Texte zur Phänomenologie der Depression. Wir werden hauptsächlich englische Texte lesen. Die Literatur wird auf Moodle bereitgestellt.

 

 

PS Wissenschaftlicher Realismus und Feministische Wissenschaftskritik

Juliane Jüngling

Veranstaltungsnummer 51 099

UL 6, 2014A; ab Fr., 22.04.2016, wöch. 16-18 Uhr

 

Wissenschaftliche Realisten sind der Auffassung, dass die physische Wirklichkeit hinsichtlich ihrer Existenz und Beschaffenheit unabhängig von den wissenschaftlichen Theorien und Modellen ist, die sie beschreiben, und dass zumindest unsere besten wissenschaftlichen Theorien annähernd wahre Beschreibungen dieser Wirklich­keit liefern. Im Rahmen der Feministischen Wissenschaftskritik wurden allgemeine wissenschafts- und erkenntnis­theoretische Einwände gegen den Wissenschaftlichen Realismus formuliert, außerdem Kritik, die speziell auf die Lebenswissenschaften und den Forschungsgegenstand des biologischen Geschlechts abstellt. Wir werden diese Positionen in die Debatten der analytisch geprägten Philosophie einordnen und auf ihre Rechtfertigungen und möglichen Implikationen hin untersuchen.

 

Literatur:

 

Zur Vorbereitung empfehlen sich die folgenden Artikel der Stanford Encyclopedia of Philosophy:

Anderson, Elizabeth: Feminist Epistemology and Philosophy of Science

Chakravartty, Anjan: Scientific Realism