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Humboldt-Universität zu Berlin - DGPhil Kongress

Podiumsdiskussion

Sonntag, 24.09.2017  |  16:15 – 17:45  |  UL6, Audimax

 

Bedrohtes Denken? Philosophie in aktuellen politischen Kontexten

 

Leitung

Dominik Perler (HU Berlin)

 

Podiumsgäste

Michael Beaney (HU Berlin/KC London, GB)

Maria Kronfeldner (CEU Budapest, HU)

Susan Neiman (Einstein Forum, Potsdam)

Kenneth Westphal (Bo˘gasiçi Üniversitesi Istanbul, TR)

 

Philosophie ist keine akademische Disziplin im Elfenbeinturm. Durch ihre Beiträge zu aktuellen ethischen und gesellschaftspolitischen Debatten sind viele Philosophinnen und Philosophen in einem öffentlichen Raum präsent. Dieser Raum wirkt sich aber auch entscheidend auf ihre Arbeit aus: Er kann freies und kreatives Denken ermöglichen, aber auch einschränken oder gar unterdrücken. In jüngster Zeit hat sich deutlich gezeigt, wie stark die Philosophie von Veränderungen, die in diesem Raum stattfinden, betroffen ist. So sind in der Türkei zahlreiche Hochschullehrer – unter ihnen auch Philosophinnen und Philosophen – entlassen worden, und in Ungarn ist die Central European University von der Schließung bedroht. In den USA gibt es Pläne, dem »National Endowment for the Humanities« die finanzielle Grundlage zu entziehen und damit ein wichtiges Förderinstrument der Philosophie zu zerstören. Und in Großbritannien befürchten viele Institute für Philosophie, dass sie aufgrund des Brexit nicht nur den Zugang zu europäischen Fördergeldern verlieren, sondern auch in der Auswahl von Studierenden und Dozierenden eingeschränkt werden.

 

Neben diesen institutionellen Einschränkungen oder gar Repressionen gibt es auch Veränderungen im politischen Diskurs, die sich auf die philosophische Arbeit auswirken. So stellt sich angesichts der Rede von »alternativen Fakten« die Frage, welchen Wert das Ideal der Wahrhaftigkeit – eines der ältesten Ideale der Philosophie – noch hat. Und der Einsatz manipulativer Methoden in den sozialen Medien wirft die Frage auf, wie es um das rationale Prüfen von Thesen und Argumenten bestellt ist. Ist dieses Kerngeschäft der Philosophie außerhalb des akademischen Rahmens noch gefragt? Wenn ja, in welcher Form? Und wie sollten professionelle Philosophinnen und Philosophen auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren?

 

Diese Probleme sollen in der Podiumsdiskussion aufgegriffen werden. Mit Blick auf verschiedene Kontexte soll einerseits konkret geprüft werden, wie das akademische Philosophieren unter widrigen Bedingungen noch möglich ist. Ist die Philosophie in einigen Ländern bedroht? Welche Art von Bedrohung liegt jeweils vor? Und was lässt sich dagegen tun? Andererseits soll auch gefragt werden, welche Herausforderungen sich angesichts der Diskursveränderungen stellen. Wie lässt sich das Ideal der Wahrhaftigkeit verteidigen? Wie kann in einem rauen öffentlich Klima deutlich gemacht werden, dass Meinungen nicht einfach geglaubt und verbreitet werden sollten, sondern rational geprüft werden müssen?