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Humboldt-Universität zu Berlin - Philosophische Anthropologie

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Philosophie | Philosophische Anthropologie | Lehre | Kommentiertes Verzeichnis der Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013

Kommentiertes Verzeichnis der Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013

 

VL Einführung in die Philosophische Anthropologie / Introduction to philosophical anthropology (b, c, d, LA/S2)

Geert Keil

Veranst.Nr. 51 003

UL 6, 3038/35; ab Di., 09.04.2013, wöch. 12-14 Uhr

 

Der Gegenstand der philosophischen Anthropologie scheint nicht schwer zu bestimmen: Die Anthropologie ist diejenige philosophische Disziplin, die mit Kants Frage „Was ist der Mensch?“ befasst ist. Es ist aber alles andere als klar, worauf genau diese trügerisch einfache Was ist-Frage zielt. Die empirischen Humanwissenschaften haben vielfältiges Wissen über den Menschen angesammelt und scheinen dabei gut ohne philosophischen Über- oder Unterbau auszukommen. Obliegt der philosophischen Anthropologie vielleicht die Aufgabe, das akkumulierte wissenschaftliche Wissen über den Menschen zu sichten, zu integrieren und auf die Frage nach dem Wesen oder der Natur des Menschen zu beziehen?
Vermutlich läuft diese anspruchsvolle Aufgabenbestimmung auf eine Selbstüberforderung der philosophischen Anthropologie hinaus. Deshalb wird in der Vorlesung ein geringfügig bescheidenerer Ansatz verfolgt. Ich werde mir folgende Fragen vorlegen: Welche Fragen über den Menschen werden in den empirischen Humanwissenschaften nicht gestellt? Warum nicht? Welche dieser nicht wissenschaftsfähigen Fragen sind einer philosophischen Behandlung zugänglich? Lässt sich aufgeklärt an der Rede von der „Natur des Menschen“ festhalten, auch wenn man einige Voraussetzungen des aristotelischen „Essentialismus“ nicht mehr teilt? Welche Rolle für die Wesensfrage spielt der Vergleich des Menschen mit den (anderen) Tieren?
Die Vorlesung ist systematisch angelegt, wird aber mindestens auf die anthropologischen Auffassungen von Platon, Aristoteles, Hobbes, Descartes, Hume, Kant, Darwin, Nietzsche, Scheler, Plessner, Gehlen und Tomasello eingehen.

Es werden begleitende Tutorien angeboten.

 

 

PS Kants „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ / Kant ́s „Anthropology from a pragmatic point of view“ (b, c, d, LA/S2)

Geert Keil

Veranst.Nr. 51 023

DOR 24, 1.406; ab Mi., 10.04.2013, wöch. 12-14 Uhr

 

Kants Anthropologie in pragmatischer Hinsicht von 1798, sein letztes zu Lebzeiten gedrucktes Werk, beruht auf Vorlesungen, die Kant zwischen 1772 und 1796 regelmäßig gehalten hat. In der Vorrede unterscheidet Kant zwischen einer „physiologischen“ und einer „pragmatischen“ Anthropologie: Erstere sei mit dem befasst, „was die Natur aus dem Menschen macht”, letztere mit dem, „was er als freihandelndes Wesen aus sich selber macht, oder machen kann und soll”. Kants Formulierung ist in ihrer Kürze sehr präzise. Es wird gesagt, dass der Mensch ein „freihandelndes Wesen“ ist, dass er etwas machen „kann“ und dass er etwas machen „soll“. Er ist also frei, Träger von Fähigkeiten und Adressat von Sollensansprüchen. An anderen Stellen nennt Kant weitere Wesensmerkmale des Menschen,verzichtet aber darauf, diese Bestimmungen zu einer Definitionsformel zu verdichten.
Kant hat die Anthropologie keineswegs als den krönenden Abschluss seiner kritischen Philosophie angesehen. Er sammelt und referiert humanwissenschaftliches Wissen seiner Zeit aus verschiedenen Disziplinen, unternimmt aber keinen Versuch, dieses empirische Wissen philosophisch zu systematisieren. Die Stellung der Anthropologie in Kants Werk und ihr Verhältnis zur Transzendentalphilosophie ist umstritten.
Das Seminar ist als Lektüreseminar geplant, in dem wir den Text gemeinsam studieren. Ferner sollen anthropologisch relevante Auszüge aus anderen Schriften Kants herangezogen werden, insbesondere zur Moralfähigkeit des Menschen und zum Freiheitsproblem.

Der Text ist in einer preiswerten Ausgabe bei Reclam erhältlich.

 

 

CO Philosophisches Kolloquium / Philosophical Colloquium

Geert Keil

Veranst.Nr. 51 080

UL 6, 3103; ab Do., 11.04.2013, wöch. 10-13 Uhr

 

Das Kolloquium wendet sich an fortgeschrittene Studierende und Doktoranden. Es bietet ein Forum zur Diskussion im Entstehen begriffener eigener Arbeiten und zur gemeinsamen Lektüre aktueller Forschungsliteratur. Es wird mehrere thematische Schwerpunkte geben, die in der ersten Sitzung gemeinsam festgelegt werden. Wer teilnehmen möchte, meldet sich bitte bei kerstin.helf@hu-berlin.de an.

 

 

PS Soziale Erkenntnistheorie / Social Epistemology (b, d, LA/S1)

Rico Hauswald

Veranst.Nr. 51 021

UL 6, 2014B; ab Mi., 10.04.2013, wöch. 14-16 Uhr

 

Die Erkenntnistheorie beschäftigt sich damit, was Wissen ist, auf welchen Quellen es beruht, wie es zustande kommt und gerechtfertigt werden kann und ob wir überhaupt welches erlangen können. Lange Zeit haben sich Erkenntnistheoretiker vor allem mit individuellen Wissensquellen befasst: mit sinnlicher Wahrnehmung, schlussfolgerndem Denken und Erinnerung. Fast alles, was wir wissen, wissen wir aber, weil es uns erzählt wird, wir es in den Massenmedien hören oder in Büchern lesen, also nicht durch eigene unmittelbare Erkenntnis, sondern durch die Vermittlung anderer. Soziale Erkenntnistheoretiker sind darum dazu übergegangen, die kollektive Seite unseres Erkennens in den Blick zu nehmen. Auch für die Wissenschaftstheorie haben sich in diesem Zusammenhang interessante neue Perspektiven ergeben. Es zeigt sich, dass den kollektiven Aspekten im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess (dem Zusammenwirken vieler Forscher im Labor, dem wechselseitigen Kritisieren, peer-review-Verfahren usw.) eine bisher unterschätzte systematische Bedeutung zukommt. Das Seminar bietet zunächst eine kurze Einführung in die individualistische Tradition und widmet sich dann schwerpunktmäßig neueren Entwicklungen im Bereich der sozialen Erkenntnistheorie.

 

 

PS Tierversuche zwischen wissenschaftlicher Notwendigkeit und ethischer Fragwürdigkeit / Animal Experimentation: Scientifically Necessary and Ethically Justifiable? (b, c, d, LA/S1)

Lara Keuck

Veranst.Nr. 51 024

I 110, 241; ab Di., 09.04.2013, wöch. 16-18 Uhr
Block: 31.05.2013, 10-18 Uhr, UL 6, 3119

 

„Selbst wenn Tierversuche einen Nutzen hätten, was nicht der Fall ist, wären sie ethisch nicht zu rechtfertigen“, verlautet die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. in ihrer Grundsatzerklärung. Sie spricht Tierversuchen damit sowohl ihre Notwendigkeit wie auch ihre Rechtfertigbarkeit ab. Doch was genau bedeutet es, dass ein biologisches oder biomedizinisches Experiment einen Nutzen hat? Und auf welche ethischen Prinzipien berufen sich Gegner oder Befürworter von Tierversuchen in ihren Argumentationen? Im Seminar wollen wir uns unterschiedliche philosophische Positionen zu diesen Fragen ansehen. Dabei geht es zum einen um den epistemologischen Stellenwert von Tierversuchen in Biologie und Biomedizin, d.h., welche Art von Erkenntnissen durch Tierversuche gewonnen werden können. Zum anderen stellt sich die Frage nach dem moralischen Status von nicht-humanen Tieren (oder allgemeiner von lebendigen Organismen), insbesondere im Hinblick auf die Abwägung von ihren Interessen zu menschlichen Interessen. Besonderes Augenmerk soll im Seminar auf die Struktur der jeweiligen Argumentationen gelegt werden, vor allem hinsichtlich der Verquickung von erkenntnis- bzw. wissenschaftstheoretischen, anthropologischen und ethischen Aspekten z.B. bei der Bestimmung des moralischen Status eines Lebewesens anhand seiner kognitiven Fähigkeiten oder seiner Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden.

Ein Teil des Seminars findet als Blockveranstaltung am 31. Mai statt. Dies ist zugleich auch der letzte Termin der Veranstaltung. Für die Teilnahme am Seminar sind keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich.

Literatur: Zur Einführung in das Thema seien die Einträge zu „Experiment in Biology“ und zu „The Moral Status of Animals“ in der Stanford Encyclopedia of Philosophy (http://plato.stanford.edu) empfohlen.

 

 

PS Intuitionen in philosophischen Argumenten / The role of intuitions in philosophical arguments (b, c, d, LA/S1, S3)

Nora Kreft

Veranst.Nr. 51 027

DOR 24, 1.308; ab Mi., 10.14.2013, wöch. 12-14 Uhr

 

In philosophischen Argumenten spielen Intuitionen häufig eine wichtige Rolle: Es gibt Situationen, in denen wir die Wahrheit eines Sachverhalts förmlich zu ‚sehen’ meinen, unabhängig davon, ob wir seine Richtigkeit formal herleiten können; und diesem ‚Sehen’ wird eine eigene argumentative Kraft zugesprochen. Berühmte Beispiele für die Überzeugungskraft von Intuitionen sind Gettiers Argument gegen die Auffassung, dass Wissen wahre und begründete Meinung ist, oder Thomsons Trolley-Argument gegen den Utilitarismus. Beide hatten und haben großen Einfluss auf die Debatten, in denen sie sich jeweils bewegen. Aber wie können wir das Gewicht rechtfertigen, das wir Intuitionen in Fällen wie diesen geben? Was sind Intuitionen überhaupt? In diesem Seminar wollen wir eine Auswahl von klassischen und zeitgenössischen Texten zu diesen Fragen studieren. Dabei wird auch die sog. experimentelle Philosophie Thema sein, die Intuitionen mithilfe von Umfragen ermitteln will: Wir werden diskutieren, ob wir unseren Intuitionen wirklich mit empirischen Methoden dieser Art auf die Spur kommen können, und wenn ja, was das für philosophische Argumente bedeuten würde, die Gebrauch von Intuitionen machen.

Literatur (u.a.):

  • Alexander, Joshua, 2012: ‘Philosophical Intuitions’, in his Experimental Philosophy: An Introduction, Polity Press.
  • Cappelen, Herman, 2012: Philosophy without Intuitions, Oxford Univ. Press.
  • DePaul, M.R. und Ramsey, W. (eds.), 1998: Rethinking Intuition, Lanham et al.: Rowman & Littlefield.
  • Liao, Matthew, 2007: ‘A Defense of Intuition’, in: Philosophical Studies, Vol. 140, 247-262.

 

 

UE Argumentation und Sprache

Nora Kreft

Veranst.Nr. 51 044

DOR 24, 1.406; ab Di., 09.04.2013, wöch. 12-14 Uhr

 

Wesentlicher Bestandteil der Philosophie ist das Bilden und Analysieren von Begriffen, die grundlegend für unser Selbst- und Weltverständnis sind. Zu diesem Umgang mit Begriffen gehört auch eine bestimmte Argumentationstechnik. Im Seminar versuchen wir, diese Technik sowohl besser zu verstehen als auch zu üben. Wir werden uns verschiedene Argumenttypen, aber auch häufig wiederkehrende Arten von Fehlschlüssen anschauen. Außerdem üben wir uns im Argumentieren, indem wir einerseits die Argumentationsstrukturen von Texten anderer Autoren nachzeichnen, andererseits aber auch selbst Argumente für kontroverse Thesen entwickeln und in der Gruppe zur Debatte stellen.

Literatur (u.a.):

  • Rosenberg, Jay F., 2009: Philosophieren – Ein Handbuch für Anfänger, Klostermann.
  • Tetens, Holm, 2010: Philosophisches Argumentieren – Eine Einführung, Beck.

 

 

PS Carl Cravers "Explaining the Brain" (b, d, LA/S1, S2)

Beate Krickel

Veranst.Nr. 51 028

I 110, 241; ab Do., 11.04.2013, wöch. 16-18 Uhr

 

In dem Buch Explaining the Brain – Mechanisms and the Mosaic Unity of Neuroscience sucht Carl Craver Antworten auf die Fragen: Von welcher Art sind Erklärungen in der Neurowissenschaft? Wie verfahren Neurowissenschaftler, wenn sie ein Phänomen erklären? In welchem Verhältnis stehen die zu erklärenden Phänomene und jene Entitäten, die für die Erklärung herangezogen werden? Ist die Neurowissenschaft reduzierbar auf die Physik? Ist die kognitive Psychologie reduzierbar auf die Neurowissenschaft?
Craver entwickelt die Idee, dass Erklärungen in der Neurowissenschaft auf „multilevel mechanisms“ Bezug nehmen. Damit lehnt er das klassische Erklärungsmodell der deduktiv- nomologischen-Erklärung ab. Zudem argumentiert Craver, dass die mechanistische Erklärung zwar ein reduktiver Erklärungstyp sei, dies aber nicht impliziere, dass höherstufige Wissenschaften auf niederstufige reduzierbar seien. Für das Entdecken und Erforschen von Mechanismen seien die verschiedenen Methoden, Grundannahmen und Vokabeln der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen sogar notwendig.
Im Seminar werden wir das Buch im Hinblick auf verschiedene Fragestellungen diskutieren. Unter anderem: Was ist eine wissenschaftliche Erklärung? Was ist Reduktion? Können die Einzelwissenschaften reduziert werden? Welche Rolle spielt die tatsächliche wissenschaftliche Praxis für die Wissenschaftstheorie? Bietet der mechanistische Ansatz eine neue und zufriedenstellende Lösung für die verschiedenen Probleme der Wissenschaftstheorie?

Lektüre:

  • Craver, C. 2007. Explaining the Brain, Oxford: Oxford University Press.
  • Zur Vorbereitung empfohlen:
    • Stanford Encyclopedia-Artikel (http://plato.stanford.edu) zu:
      • „Reductionism in Biology“
      • „Scientific Explanation“
      • „Causal Processes“